Seit Anfang Februar dieses Jahres organisiert eine Gruppe von Ehrenamtlern Kurse zum Erlernen der deutschen Sprache. Zielgruppe sind erwachsene Asylbewerber, die in Marienheide leben und während des laufenden Asylantragsverfahrens, das sich für einige schon länger als ein Jahr hinzieht, kein staatliches Angebot zum Erlernen der deutschen Sprache erhalten. Erst nach erfolgreicher Anerkennung als Flüchtling gibt es ein vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge koordiniertes Integrationsprogramm, dessen Teilnahme verpflichtend ist und das vor allem den Spracherwerb in den Vordergrund stellt.
WP_20150408_17_57_01_Pro__highres komp
Die ehrenamtlich angebotenen Kurse finden im zentral gelegenen Mehrgenerationenhaus der Caritas oder im Borromäushaus der Katholischen Pfarrgemeinde statt, bei Bedarf auch mit Betreuung von noch nicht schulpflichtigen Kindern.

Mehr als ein Dutzend Frauen und Männer, jung und schon älter, aktiv und im Ruhestand, engagieren sich ehrenamtlich, um die Kursstunden zu planen, zu koordinieren und durchzuführen sowie die Kinder zu betreuen.

WP_20150407_12_23_01_Pro__highres a komp

Zu Beginn, im Februar, konnten drei Kurse für Anfänger gestartet werden, zwei davon mit zwei Unterrichtsstunden an zwei Tagen in der Woche. In der ersten Jahreshälfte nahmen regelmäßig 35 Flüchtlinge aus 13 Ländern teil. Es handelt sich um eine demographisch interessante Gruppe: Ein Drittel der Teilnehmenden ist 27 Jahre und jünger; mehr als drei Viertel sind 40 Jahre alt oder jünger.

IMG_5694b

Die Vorbildung und die Vorkenntnisse der Teilnehmenden sind recht unterschiedlich. Für diejenigen, die keine oder kaum schulische Bildung in ihrem Heimatland genießen konnten und für diejenigen, die aus einem anderen Sprachenkreis kommen und keine europäische Fremdsprache beherrschen, ist es ganz besonders schwierig. Deutsch gilt allgemein ohnehin nicht als eine leicht zu erlernende Sprache. Etliche benötigen deshalb gerade zu Beginn eine besonders intensive individuelle Anleitung.

Bereits nach kurzer Zeit wurde es deshalb notwendig – und dank der zunehmenden Zahl an ehrenamtlichen Helfern auch möglich -, das Angebot nach Niveaus in zwei Anfängerlevel und Fortgeschrittene zu differenzieren und auf fünf Kurse auszuweiten. Inzwischen findet an jedem Werktag mindestens ein Deutschkurs statt.

IMG_5701b

Die Teilnahme an den angebotenen Deutschkursen ist für die Asylbewerber freiwillig. Insofern ist es nicht überraschend, daß die Teilnehmenden durchweg eine hohe ernsthafte Motivation haben. Sie verknüpfen schließlich große Erwartungen an ihr zukünftiges Leben in unserem Land. Ihnen ist bewußt, daß sie nur dann eine reelle Chance haben, im Alltagsleben zu bestehen, soziale Kontakte zu knüpfen und eventuell eine Berufstätigkeit aufzunehmen, wenn sie die Landessprache beherrschen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist nicht nur die kontinuierliche Teilnahme an den Kursstunden notwendig, sondern auch das regelmäßige Selbststudium zu Hause.

Inzwischen sind weitere Interessenten an Kursen zum Erlernen der deutschen Sprache aus dem Kreis der neu zugewiesenen Flüchtlinge sowie aus dem Kreis derjenigen Einwanderer, vor allem Frauen und Mütter hinzugekommen, die schon einige Zeit in Marienheide leben, sich aber um Haushalt und Kindererziehung gekümmert haben.

IMG_5692b

Zum Ende des ersten Halbjahres durchgeführte Tests bei Teilnehmenden haben bestätigt, daß bei allen ein deutlicher Lernfortschritt durch die Teilnahme an den Kursen nachweisbar ist. Dieser Erfolg ist auf das Engagement der ehrenamtlich Tätigen zurückzuführen, wäre aber unmöglich ohne die gute Zusammenarbeit mit den Bediensteten der Gemeindeverwaltung, der großzügigen Unterstützung durch die Caritas (Bereitstellung von Räumlichkeiten, Finanzierung des Unterrichtsmaterials), der Katholischen Kirchengemeinde und der Spenden örtlicher Organisationen (Kulturrausch, die Tafel) sowie Einzelpersonen.

Es ist damit zu rechnen, daß auch in den nächsten Monaten der Gemeinde Marienheide kontinuierlich weitere Flüchtlinge, Alleinreisende und ganze Familien mit Kindern, zugewiesen werden.

Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte hat sich die Zahl der Interessenten, die sich um einen Platz in den Deutschkursen bemühen, auf 70 aus 19 verschiedenen Ländern erhöht. Es ist davon auszugehen, daß diese Zahl noch weiter steigen wird.

WP_20150408_17_56_13_Pro__highres a komp

Um dieser wachsenden Nachfrage und dem Bedarf nach stärkerer Differenzierung und Verkleinerung der Kurse gerecht zu werden, werden bei allem Engagement der bisher Beteiligten weitere Helferinnen und Helfer für Deutschkurse mit Asylbewerbern benötigt.

Wir suchen Personen, die bereit sind, ehrenamtlich

  • Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten,
  • bei der Durchführung von Kursen mitzuhelfen (Kontrolle und Korrektur von Hausaufgaben und/oder Anleitung von Kleingruppen),
  • Kinder der Teilnehmenden zu betreuen.

Für die Mithilfe in den Kursen und die Kinderbetreuung sind keine besonderen pädagogischen oder fachlichen Erfahrungen Voraussetzung; wichtiger sind die Freude am Kontakt mit Menschen mit unterschiedlichem sozialem und kulturellem Hintergrund und die Bereitschaft zur Teamarbeit. Der zeitliche Aufwand beträgt minimal 1 ½ Stunden (Kursdauer) und kann nach Absprache als regelmäßiger oder auch unregelmäßiger Einsatz geplant werden.

Interessenten erwarten eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre sowohl in den Lerngruppen als auch in dem Team der ehrenamtlich Engagierten.

Anfragen und Erklärungen der Bereitschaft zur Mitarbeit nimmt gerne entgegen: Klaus-Ulrich Nieder, Tel. 02264 1275, eMail: nieder4@live.com