ABC gestartet – Dank an Unterstützer

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Deutsch lernen, kostenloses W-LAN nutzen, mit Freunden reden: Das neue Asylbewerber-Bildungs-Centrum (ABC) in der Ortsmitte von Marienheide dient Flüchtlingen als vielseitig nutzbarer Treffpunkt. Die Eröffnung am 17. November war geprägt von Stolz auf das gelungene Werk, vom Dank an die zahlreichen Unterstützer – und von fröhlichem Gedränge, in dem sich Einheimische und Geflüchtete wieder einen Schritt näher kamen.

Für dieses Ziel hatten in den vergangenen Monaten viele Menschen zusammengearbeitet: Die Anregung ging von Bürgermeister Stefan Meisenberg aus. Er hatte beobachtet, mit welchem Engagement seit Februar 2015 ehrenamtlich Deutschkurse für Asylbewerber angeboten wurden. Klaus Nieder griff zusammen mit dem örtlichen AWO-Vorsitzenden Werner Rosenthal die Idee auf, entwickelte das Nutzungskonzept und hielt auch während der Ausbauphase alle Fäden in der Hand.

Als Träger engagierte sich der AWO Kreisverband Rhein-Oberberg e.V., dessen Vorsitzende, Beate Ruland, am Eröffnungsabend die Flüchtlinge als Nachbarn herzlich willkommen hieß. Das finanzielle Fundament legte die Bürgerstiftung Marienheide mit einer Zusage über 38.000 € für zwei Jahre, davon 10.000 € in 2016 für die Ausstattung deines Kursraumes und des Internetcafés. Trotz dieses Engagements müsse sich keiner der sonstigen Adressaten Sorgen um die Höhe seiner Unterstützung machen, unterstrich Vorstandsvorsitzender Burkhardt Müller. Zusätzlich sind über das kommunale Integrationszentrum des Kreises Landesmittel für die Renovierung aus dem Programm „KOMM-AN NRW“ geflossen. Zahlreiche Sachspenden halfen Kosten sparen: 20 gebrauchte Notebooks, die Hälfte von der evangelischen Kirchengemeinde Müllenbach, die anderen von Einzelspendern, Tischplatten für das Internetcafé von schmalenbach-design, sowie 38 Stühle und eine große Projektionsleinwand vom Informations- und Bildungszentrum (IBZ) Schloss Gimborn. Vor der Entsorgung bewahrte White-Boards des Aggertal-Gymnasiums wurden ergänzt durch ein mobiles White-Board und eine Pinnwand der Evangelischen Kirchengemeinde Kotthausen.

Wichtiger Erfolgsfaktor in der Ausbauphase war die tatkräftige Mitwirkung der künftigen Nutzer. Klaus Nieder lobte dieses Engagement und stellte vor allem den unermüdlichen Einsatz des Syrers Fathi Jaro heraus. Kaum hatte er erwähnt, dass das handwerkliche Multitalent dringend einen Arbeitsplatz suche, meldete sich der stellvertretende Bürgermeister Timo Fuchs zu Wort, der an Stelle des erkrankten Stefan Meisenberg zur ABC-Eröffnung gratulierte. Der Produktionsleiter in seinem Kunststoffwerk habe mit einem Flüchtling sehr gute Erfahrungen gemacht, berichtete Fuchs. Deshalb wolle er Fathi Jaro jetzt einen Vorstellungstermin anbieten. Der Arbeitsuchende strahlte und alle applaudierten. Später konnten sich die Gäste am Büffett mit süßen und herzhaften Häppchen versorgen, die Flüchtlingsfrauen und Frauen der AWO liebevoll zubereitet hatten.

Wichtigste Aufgabe des ABC wird es sein, Flüchtlinge und andere Zuwanderer beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Dabei spielt neben den vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein getragenen Integrationskursen das Internetcafé im rückwärtigen Raum eine wichtige Rolle als Ergänzung der klassischen Sprachkurse. So bietet zum Beispiel das Portal „Ich will Deutsch lernen (IwDl)“ des Deutschen Volkshochschulverbandes die Möglichkeit, das Lerntempo selbst zu bestimmen. Vor allem diejenigen, die an einer regelmäßigen Kursteilnahme gehindert sind, z.B.. weil sie bereits eine Arbeitsstelle gefunden haben oder Frauen mit Kindern eröffnet sich dadurch die Chance, auch außerhalb der festen Kurszeiten ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Allerdings, so Klaus Nieder, bleibe die individuelle Begleitung beim Selbstlernen und der gemeinsame Unterricht in einer Gruppe weiterhin unverzichtbar.

Wie dringend das ABC gebraucht wurde, belegt die Tatsache, dass schon vor der offiziellen Eröffnung die ersten Kurse dort stattfanden: einer zur Alphabetisierung, ein weiterer zur Vorbereitung auf die recht anspruchsvollen Integrationskurse. Das Ziel, die Räume auch außerhalb der Kurszeiten als Treffpunkt zu öffnen, kann allerdings erst umgesetzt werden, wenn dafür ein hauptamtlicher Betreuer (BuFDi) gefunden ist. Darüber hinaus werden freiwillige Helfer gesucht, die die Besucher bei der Nutzung des Internets unterstützen. Wer daran Interesse hat, sollte sich unter abc.marienheide@outlook.com bei Klaus Nieder melden.

Hartmut Wenscheck