Frauen helfen Frauen

Nach langer, gefährlicher Flucht in einem völlig fremden Umfeld zu leben und sich dort zu integrieren, ist alles andere als einfach. Frauen aus islamischen Ländern haben es besonders schwer: Viele von ihnen sind nicht nur durch kleine Kinder ans Haus gebunden. Sie sind es auch nicht gewohnt, sich allein in der Öffentlichkeit zu bewegen. Diese Schranken zu überwinden ist das Ziel des Marienheider Flüchtlingsprojekts „Frauen für Frauen“.

Gabriele Räderscheidt, die vor einem Jahr auf das Problem aufmerksam wurde und prompt zur Tat schritt, wird dabei unterstützt von den Damen aus ihrem VHS-Bauchtanzkursus. An jedem dritten Montag im Monat decken die Helferinnen im Hause Landwehrstraße 26 liebevoll den Kaffeetisch: mit selbstgebackenem Kuchen, aufgeschnittenen Melonen, Nüssen oder herzhaften Muffins mit Käse und Kräutern. Die Zutaten müssen sie allerdings nicht aus eigener Tasche bezahlen. Dafür kommt die AWO Marienheide auf.

Ihre Gäste sind meist jüngere Frauen, überwiegend Kurdinnen aus Syrien und dem Irak, die selbstverständlich ihre Kinder mitbringen. Da kann es schon mal turbulent zugehen, aber was die Gastgeberin gern als „Chaos“ bezeichnet, ist einfach ein herzliches, unbekümmertes Miteinander. Männer sind in der Runde nicht erwünscht. Auch der Berichterstatter räumte nach einer halben Stunde das Feld.

„Viele dieser Frauen neigen dazu, sich hinter ihren Männern zu verstecken“, erklärt Gabriele Räderscheidt. „Damit sie aus sich rausgehen können, brauchen sie einen Freiraum, wo sie unter sich, unter Frauen sind.“ Ein festes Programm gibt es nicht: „ Wir essen zusammen, die Mütter haben Gelegenheit, im Gespräch mit deutschen Frauen ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und die Kinder spielen.“ Wichtig und bei allen beliebt sind gemeinsame Tänze, die eine offene, entspannte Atmosphäre schaffen.

Eine der Frauen, die regelmäßig hier anzutreffen sind, ist Sawsan Al-Dulemy. Im November 2015 kam sie mit ihrem Mann und den drei Kindern, einem elfjährigen Jungen und zwei Mädchen im Alter von zehn und drei Jahren, aus Bagdad nach Deutschland. Inzwischen hat die Familie in Marienheide eine Wohnung gefunden. „Ich war schon fünfmal hier und ich mag die Leute sehr“, sagt sie. „Es ist eine gute Gelegenheit Deutsch zu lernen. Außerdem treffe ich Landsleute, die ich sonst nur hin und wieder sehe.“ Noch geht ihr das zu Hause gelernte Englisch leichter über die Lippen. Aber Gabriele Räderscheidt ist zugleich ihre Deutschlehrerin. Und die achtet auch beim Kaffeetrinken darauf, dass Sawsan Al-Dulemy ihre inzwischen recht guten Deutschkenntnisse durch ständige Übung weiter verbessert.


Wo Frauen für Frauen den Tisch decken: Gabriele Räderscheidt (hintere Reihe, 2. von links) und ihre Helferinnen freuen sich über den Appetit ihrer Gäste.