Im Gespräch: Walaa Kharmanda

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Als regimekritische Journalistin musste Walaa Kharmanda (26) aus ihrer syrischen Heimat fliehen. Seit August 2015 lebt sie als Asylbewerberin in der Gemeinde Marienheide und wartet auf ihre Anerkennung.

Frau Kharmanda, Sie sind in der syrischen Hauptstadt Damaskus aufgewachsen. 2012 mussten Sie von dort fliehen. Wie kam es dazu?

Das syrische Regime fahndete nach mir, weil ich mich gegen den Diktator Assad engagiert hatte. Ich floh nach Jordanien, aber dort wurden wir Syrer vom jordanischen Geheimdienst unter Druck gesetzt, über Landsleute auszusagen. Es gab keine legale Arbeit, keine Möglichkeit mein Studium fortzusetzen, keinen Frieden. Deshalb kam ich drei Jahre später nach Deutschland.

Wie sah Ihr Engagement in Syrien konkret aus?

Ich studierte Jura und als der Aufstand gegen Assad begann, wollten wir jungen Syrer die Welt darüber informieren, was in unserem Land geschah. Ich startete das erste Onlinemagazin zur Situation der Frauen in Syrien und arbeitete für den TV-Sender der Opposition in Amman.

Ihre Familie ist in Syrien geblieben?

Ja, meine Mutter, meine Schwestern und mein Bruder leben noch in Damaskus. Mein Vater war in Aleppo. Er kam im Januar bei einem russischen Bombenangriff ums Leben.

Haben Sie Kontakt zu Ihrer Familie?

Ja, und ich bin in großer Sorge wegen der gefährlichen Situation dort. Aber es gibt keine Möglichkeit, sie auf legale Weise herzuholen.

Sie sind jetzt auch in Deutschland journalistisch tätig …

Ich arbeite im ehrenamtlichen Redaktionsteam von ABWAB mit. Das ist die erste arabische Zeitung in Deutschland, gemacht von Flüchtlingen für Flüchtlinge. Der Titel bedeutet „Türen“ und unser Ziel ist, den neu ankommenden Flüchtlingen Türen zu öffnen, sie bei der Integration und beim Start in ein neues Leben zu unterstützen. ABWAB erscheint monatlich in einer Auflage von 45.000 Stück und wird bundesweit in allen Flüchtlingsunterkünften, Sprachschulen und arabischen Gemeinschaften verteilt.

Was sind Ihre Wünsche an die Zukunft?

Für Syrien hoffe ich auf ein Ende des menschlichen Elends, auf das Ende der Kämpfe und das Ende des Assad-Regimes. Danach wird das syrische Volk in der Lage sein, seine Revolution zu vollenden – gegen die Extremisten, die sich unseren Aufstand gegen den Diktator zu Nutze gemacht haben. Wir wollen weder Terrorismus noch Diktatur. Wir wollen in Freiheit und Würde leben, in einem Staat, der die Menschenrechte achtet.

Und für Sie persönlich?

Da hoffe ich, dass mein Asylverfahren möglichst bald abgeschlossen wird, damit ich hier in Deutschland mein Studium beenden und mich wieder für Frauen- und Menschenrechte in Syrien einsetzen kann.